Sie sind hier: Startseite / 
Seite drucken
23:11:2017

Keine News in dieser Ansicht.

04.07.2007 23:00

Strukturplan des Bistums: „Jesus erwartet Bewegung und Aufbruch" / Aufruf an die Gremien zur Fusion der Pfarreien

"Oben" und "Unten" ist vorbei. Es geht um die Christen von ganz Fraulautern.

Predigt von Pastor Rolf Dehm am 13. Sonntag im Jahreskreis

Evangelium LK.9,51-62

"Der Aufbruch mit Jesus ist ein Aufbruch ins Ungewisse, ist ein Wagnis. Sein Weg erspart uns nicht Dunkelheit und Verlassenheit. Aber letztlich führt sein Weg zum Leben, ja sogar durch den Tod zum Leben."

Liebe Gemeinde,

der Abschnitt, aus dem unser heutiges Evangelium stammt, ist der Anfang des so genannten „lukanischen Reiseberichtes“. Wir werden an den kommenden Sonntagen immer wieder Abschnitte aus diesem Teil des Lukasevangeliums hören.

Auf dem Weg nach Jerusalem, dem Ort des Todes und der Auferstehung, wird für die Menschen deutlich, was ganz konkret ein Leben in der Nachfolge bedeuten kann. Harte Worte, Maßstäbe, die zeigen sollen, wie bedingungslos Nachfolge Jesu sein soll und was sie mit sich bringen kann. Da ist der Verzicht auf irdische Heimat, um die Sehnsucht nach Geborgenheit und Heimat bei Gott wach zu halten. Ist das nicht zu viel verlangt? In jedem von uns steckt doch die Sehnsucht nach einem Zuhause, nach Menschen, die uns Geborgenheit schenken. Für uns heute heißt das gewiss nicht, dass wir alle unsere Wohnungen und Häuser aufgeben und auf der Straße wohnen sollen, aber es meint die innere Freiheit von manchen Dingen. Jesus rückt die Maßstäbe in ein anderes Licht. Er erwartet Bewegung und Aufbruch, nicht ein starres Sich-Klammern an Bestehendes. Dass Jesus einen Menschen auffordert: „Lass die Toten ihre Toten begraben, du aber geh und verkünde das Reich Gottes“, meint keine Nichtachtung der Eltern oder der Verstorbenen überhaupt. Es ist vielmehr gedacht als Ausrichtung auf das Leben, das Jesus verheißt, es lädt ein zu einer Kultur des Lebens und nicht des Todes. Vielleicht überlegen wir einmal, was todbringende Kräfte in unserem eigenen Leben sind, wo uns etwas herunterzieht. Das mag eine negative Sicht vieler Dinge sein, der Grundtenor: Es hat ja eh keinen Zweck, etwas Neues zu versuchen. Das gibt sowieso nichts. Jesus fordert die Menschen zu einer großen Wachsamkeit im Blick auf das Leben auf. Es geht um Aufbruch und um ein Nach-vorne-Blicken. Wir könnten das als Aufforderung auch für uns und unsere Gemeinden nehmen.

Wagen wir doch den Blick in die Zukunft und fragen wir uns ganz ehrlich: Wie können unsere Gemeinden angesichts der sinkenden Priesterzahlen und angesichts knapper werdender finanzieller Mittel in Zukunft aussehen? Wie soll unsere Kirche in Zukunft aussehen? Was ist uns ganz persönlich wichtig? Was ist das Wesentliche? Bin ich bereit, eine Veränderung auch innerlich mitzuvollziehen? Bin ich bereit, selbst über Veränderungen nachzudenken, sie mitzutragen, vielleicht auch mich selbst zu engagieren?

Eine Haltung, die nur rückwärts blickt, erstickt jede Initiative – auch in unseren Gemeinden St. Josef und Hl. Dreifaltigkeit und Gruppen – im Keim, eine Veränderung zum Positiven hin oder auch nur den vagen Versuch, etwas anders zu machen als bisher. Auch die folgende Anfrage im Hinblick auf das Abschiednehmen von der Familie ist keineswegs eine Nichtachtung der Familie. Vielmehr dehnt Jesus den Begriff der Familie aus der Orientierung auf die Zukunft hin, die Gott selbst durch sein Reich schafft. Ist Ihnen eigentlich schon aufgefallen, dass Jesus nicht gezielt diesen oder jenen Menschen herauspickt, sondern dass sein Ruf in die Nachfolge im Vorübergehen, auf dem Weg geschieht? Was heißt das für uns? Ganz konkret: Jesus ruft auch heute Menschen in seinen Dienst, er ruft uns in seinen Dienst, und wir erkennen das, wenn wir mit wachem Auge und offenem Herzen durch unser Leben gehen. Wenn wir anderen Menschen mit dieser inneren Freiheit begegnen, die Raum lässt für Neues, für Unerwartetes. Der Mann der in unserem Evangelium zu Jesus sagt: „Ich will dir folgen, wohin du auch gehst“, ist wohl ganz begeistert und fasziniert von Jesus gewesen. Dieser aber will keine Begeisterung, die aus einem Strohfeuer kommt, sondern er erwartet eine klare und bewusste Entscheidung. Er erwartet den Mut zum Aufbruch.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Deshalb rufe ich die in unseren Gremien Verantwortlichen unserer Pfarreiengemeinschaft auf, sich dringend an einen Tisch zu setzten und das zu beraten was für unsere Kirche in Fraulautern ab 2008 das Beste ist. Wenn wir es jetzt nicht packen, werden uns von Trier die nötigen Schritte einfach vorgegeben. Der Bischof kann eine Pfarrei mit einem Federstrich auflösen. Sie haben es in der Zeitung gelesen; Wenn ich weggehe, wird kein Pastor mehr in Fraulautern wohnen. Er kommt nach Roden. Da stellen sich viele Fragen: Wie wird das mit den Messen? Behalten wir ein Pfarrbüro? Was wird aus unseren Immobilien? etc..

Nicht, dass mir später einmal jemand den Vorwurf macht ich habe mich nicht klar genug ausgedrückt. Meine Position ist eindeutig. Je schneller wir zwischen Hl. Dreifaltigkeit und St. Josef fusionieren, je besser ist es für die Kirche in Fraulautern ab 2008. Wir haben in Hl. Dreifaltigkeit und St. Josef nicht mehr das nötige Potenzial, sowohl personell als auch finanziell , um getrennt zu marschieren. Es kann auch nicht so in die Zukunft gehen, dass man sagt: Die oben sind von denen unten so verschieden, dass eine Fusion undenkbar ist. Jesus liebt die Guten und die Bösen in Hl. Dreifaltigkeit und St. Josef. Ohne Unterschied. Und er ruft sie alle in seine Nachfolge. Sogar den Petrus ("ich kenne diesen Menschen nicht") und den Paulus

Plan 2020 heißt nicht, dass wir noch bis 2020 Zeit haben. Der Bischof hat unterschrieben in dieser Woche. Und nun soll dieser Plan bis spätestens 2011 realisiert werden. Zwischen 2011 und 2020 wird dann voraussichtlich der Plan 2030 erarbeitet. Also nochmals an alle Verantwortlichen der Gremien unserer Pfarreiengemeinschaft Hl. Dreifaltigkeit und St. Josef:

Setzt Euch zusammen, denn der Plan 2020 soll jetzt und nicht 2011 umgesetzt werden. Ab 2011 soll er gelebt werden. Die Weichen werden jetzt vor den PGR-Wahlen gestellt. Ein Pastor wird bald nicht mehr in Fraulautern wohnen, aber 6000 Christen! Um die gehts! Um die Zukunft aller Christen in Fraulautern. Um aus dieser Zukunft das Bestmögliche zu machen, ist eine Grundvoraussetzung, dass wir lernen mit 1 Stimme zu reden. Oben und unten ist vorbei. Es geht um die Christen von ganz Fraulautern. Es geht nicht darum was der Pastor will, sondern um die Frage: Was sagt und was will Christus von den Christen in Fraulautern in 2007. Ich hör ihn sagen: „Habt Mut zum Aufbruch. Ich gehe mit Euch“.

Mut zum Aufbruch, davon hören wir immer wieder in der Bibel: Denken wir an Abraham, an das Volk Israel in Ägypten, denken wir an den Propheten Jona oder an den Propheten Elija, denken wir an die Magier aus dem Morgenland oder die Berufung der ersten Jünger. In allen diesen Aufbruchgeschichten erfahren wir, dass Gott den Menschen seine Nähe versprochen und dieses Versprechen auch gehalten hat. Dass er seinem Wort treu geblieben ist und seine Verheißungen erfüllt hat

Der Aufbruch mit Jesus ist ein Aufbruch ins Ungewisse, ist ein Wagnis. Sein Weg erspart uns nicht Dunkelheit und Verlassenheit. Aber letztlich führt sein Weg zum Leben, ja sogar durch den Tod zum Leben.

 

Hintergrund

Evangelium Lk 9, 51-62

51 Als die Zeit herankam, in der er (in den Himmel) aufgenommen werden sollte, entschloss sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen.

52 Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen.

53 Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war.

54 Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?

55 Da wandte er sich um und wies sie zurecht.

56 Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf.

57 Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.

58 Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.

59 Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben.

60 Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!

61 Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen.

62 Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

 


Von: Pfarrer Rolf Dehm

einen Kommentar schreiben zu dieser News