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25.05.2008 15:35

Nicht Niedergang, sondern Aufbruch - "Lebens-Zeichen in der Kirche von heute entdecken"

Predigt zum Patronatsfest von Pastor Rolf Dehm am 04. Mai 2008

 Leiden und Trost. Auf den zweiten Blick
(1 Petr 4,13-16; Joh 17,1-11a)

Kirchen sterben
In der Zeitung lese ich: >>Kirchen sterben an Rhein und Ruhr<<!
Das Erzbistum Köln, so heißt es in dem Artikel, schrumpft von 230
auf 180 Pfarrbezirke. Noch in den kommenden Monaten entscheidet
es sich, wie viele Kirchen geschlossen werden. Im Bistum Essen
machen 96 von heute 350 katholischen Kirchen dicht. Allein in
Bochum trifft es jede dritte. Jetzt ist Gelsenkirchen dran.
Am 19. August 2007 wurde die Heilig-Kreuz-Kirche in
Ückendorf geschlossen. Eine der ganz seltenen
expressionistischen Paradekirchen, Werk des Architekten
Josef Franke, erbaut in den Jahren 1927 bis 1929.

Trauer und Wut
Dieser Vorgang betrifft zunächst die katholischen Christen in
Ückendorf. Dort, so liest man, herrschen Trauer, Entsetzen, Wut,
ohnmächtiger Zorn,stille Resignation. Ich kann das nachvollziehen.
Die Heimatkirche betrifft mein Leben. In ihr wurde ich getauft, in
ihr habe ich gebetet, viele Gottesdienste mitgefeiert, die großen
Feste des Kirchenjahres erlebt: Ostern, Pfingsten, Weihnachten.
Sie ist für mich Herberge und Glaubens-Zeichen. Ein Haus des
Trostes und der Ermutigung. Merkmal meiner Biografie. Ich nehme
an, die Verantwortlichen der Diözesen wissen, was sie tun,
und könnenabschätzen, welche Konsequenzen sich ergeben.

Leiden, auf den zweiten Blick
Viele Menschen müssen leiden: Martyrium, Freiheitsberaubung,
Verfolgung, Hass- u. Verleumdungsaktionen. Das fällt uns
sofort ins Auge.Aber: >>Kirchen sterben.<< Hier geht es um
>>Leiden auf den zweiten Blick<<: Das Schwinden des Vertrauten,
Leere und Einsamkeit, eine ungewisse Zukunft. Dazu kommt:
Überlastung der Seelsorger/Seelsorgerinnen.
Das Modul >>Organisation<< schiebt sich nach vorn, das Modul
>>Herzlichkeit, Kontakte, Zeit für Gespräche, personelle
Glaubensbrücken<< wird schwächer. Wenn Kirchen sterben,
betrifft das aber nicht nur Katholiken oder Christen.
Die Kirchen prägen das Bild eines Ortes, einer Stadt.
Ihre Türme sind wie Hände zum Himmel. Sie sind Wahr-Zeichen
für das gesellschaftliche Bewusstsein eines Ortes, Signale
für das Glaubensleben in einer Stadt, für geistliche
Gemeinschaft. Und wie lange noch? Werden sie in Zukunft
Wahr-Zeichen bleiben – oder mutieren sie zu Denkmälern
einer vergangen Epoche oder werden einfach nur die Türme
abgerissen und in 50 Jahren stehen dann Minarette
an deren Stelle?

Berührung mit dem Leiden Christi
Leiden konkret. Leiden >>auf den zweiten Blick<<,
erst dem Nachdenklichen offenbar und zu Herz gehend.
Petrus sagt in der heutigen Lesung: >>Wenn einer leidet,
weil er Christ ist, so soll er sich nicht schämen.....
<< Heimatlosigkeit, Verlust an Geborgenheit und Gemeinschaft
– diese Leiden verbinden uns mit dem Leiden Christi.
Petrus sagt: >>Freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden
Christi habt....<< Das heißt: Die Berührung mit dem Leiden
Christi, dessen Abdruck in unserem Herzen, unserer Seele
– sie eröffnet uns auch den Zugang zu Trost und Hoffnung,
zur Nähe des Heiles, zur Gegenwart Christi. Sie schafft Raum
zur Erfahrung der Liebe des Vaters, der uns in Jesus Christus
bewahrt und hält und trägt, der seinen Heiligen Geist in
unseren Herzen wohnen lässt.

Trost, auf den zweiten Blick
Jesus Christus, Herr und Bruder, er ist bei uns, er berührt
uns. Er zeigt uns Wege und gibt uns Kraft. Er verlässt uns
niemals, auch nicht in den Zeiten geistlicher Not. So sagt
der Herr im Evangelium: >>Sie haben dein Wort bewahrt.....
<<, >>Die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen
gegeben, und sie haben sie angenommen.....<<, >>Für sie
bitte ich denn sie sind dein....<<, >>Heiliger Vater,
bewahre sie in deinem Namen....<< – Trost und Ermutigung
auf den zweiten Blick. Erst dann, wenn wir Leid annehmen,
wenn wir Schmerz zulassen, erst dann spüren wir die
ungeheure Kraft, die umhüllende Liebe, die dynamischen
Impulse des Vaters, durch den Sohn, im Heiligen Geist.

Nicht Niedergang, sondern Aufbruch

Trost erfahren und annehmen, aus der Verheißung und Zusage
Gottes leben – das heißt dann aber auch: Sich aufrichten,
glauben und bezeugen, gelassen in die Zukunft blicken,
arbeiten am Weg der Gemeinden und der Kirche. Getröstet
und voller Vertrauen.  >>Ich setzte den Fuß in die Luft
– und sie trug<< (Hilde Domin). – Jetzt entdecken wir
auch die Lebens-Zeichen in der Kirche von heute und in
ihren Gemeinden: Aktive Gruppen, bewegende Gottesdienste,
treffende Predigten, missionarische Aufbrüche in unseren
Diözesen und in der Weltkirche, ökumenische Brückenbauten,
das Lachen der Kinder, das Gebet der Mönche,
Familienkreise, Kolpingbanner, befeuernde Katholikentage,
ermutigende Papstworte.Seligsprechung von Mutter Rosa
heute im Dom zu Trier. 15h Phönix

Visionen
Wir werden uns verändern müssen, aber wir werden leben.
Wir werden manch Gewohntes aufgeben müssen, aber Neues
wächst uns zu. Wir gehen durch Täler, weil wir die Berge
besteigen wollen. Auch wenn Sturm kommt, bleiben wir
nicht im Hafen, sondern fahren hinaus auf die hohe See.
Wir sind offen für Visionen. Kleine Dinge werden für
uns zum Zeichen. Unser Alltag wird durchsichtig.
Wir können neu sehen und hören. Er ist da. Er begleitet uns.
Er verlässt uns nicht. Er sagt zu uns: Wagt den
nächsten Schritt!Mystischer Zuspruch der großen
Dichterin Hilde Domin:>>Abel, steh auf, es muss neu
gespielt werden;täglich muss es neu gespielt werden,
täglich muss die Antwort noch vor uns sein. <<

Heinrich Jacob

 

Hintergrundinformationen zur Kirche St.Josef

Der Bau der Kirche der Siedlung in der Kreuzbergstraße wurde im November 1959 vom Bistum Trier genehmigt. Am 15. August 1960 fand der erste Spatenstich statt und am 01. Mai 1963 wurde die neue Kirche von Bischof Dr. Matthias Wehr geweiht. Architekt ist Toni Laub aus Saarwellingen.

 

 


 

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