Sie sind hier: Startseite / 
Seite drucken
22:11:2017

Keine News in dieser Ansicht.

27.01.2008 12:10

Kerzenweihe und Erteilung des Blasiussegens in Fraulautern

Einladung zu den Gottesdiensten am 02. und 03. Februar in beiden Pfarrkirchen.

Anlässlich des Festes der Darstellung des Herrn ("Lichtmess") am 02. Februar und zum Gedenktag des Hl. Blasius am 03. Februar finden die heiligen Messen am kommenden Wochenende mit Kerzenweihe und Erteilung des Blasiussegens statt.

  • In der Pfarrkirche St. Josef am Sa., 02. Februar 2008 um 18.00 Uhr
  • In der Pfarrkirche "Hl. Dreifaltigkeit" am So., 03. Februar 2008 um 10.00 Uhr


Lichtmess - Darstellung des Herrn

Das mosaische Gesetz schrieb vor, ein neugeborenes Kind innerhalb einer bestimmten Frist in den Tempel zu bringen (vgl. Ex 13, 11 - 16; Lev 12, 1 - 8; Jes 8, 14 - 15; 42, 6). Jesus kommt nicht nur dieser Vorschrift nach, wenn er in den Tempel gebracht wird, sondern er ist auch der Herr des Tempels (vgl. Mal 3), der in sein Eigentum kommt. Als solcher wird er vom greisen Simeon und der Prophetin Hanna erkannt und bezeichnet (vgl. Lk 2, 22 - 40). In der Ostkirche verstand man den Festanlass als „Fest der Begegnung des Herrn”: Der Messias kommt in seinen Tempel und begegnet symbolisch dem Gottesvolk des Alten Bundes. Im Westen wurde es mehr ein Fest Mariens: „Reinigung Marias” nach den mosaischen Vorschriften. Seit Anfang des 5. Jahrhunderts wurde in Jerusalem dieses Fest am 40. Tag nach der Geburt Jesu gefeiert. In Rom führte man dieses Fest um 650 ein. Kerzenweihe und Lichterprozession kamen erst später hinzu, wodurch sich der Name Maria Lichtmess einbürgerte. Das hatte seinen Grund darin, dass an diesem Tag die für das nächste Jahr benötigten Kerzen der Kirchen und der Familien geweiht wurden, weshalb Wachsmärkte, eben Licht(er)messen, durchgeführt wurden.

Christus selbst hat sich als das Licht der Welt definiert (Joh 8, 12). Das Johannes-Evangelium ist ganz wesentlich durch diese Lichtsymbolik geprägt. Christus als aufgehende Sonne, als derjenige, der Licht ins Dunkel bringt, nimmt uralte Metaphern auf, die schon für Jahwe gegolten haben: Als Feuersäule beschützt Gott die Israeliten beim Auszug aus Ägypten, im brennenden Dornbusch begegnet Gott dem Moses. Die Verklärten strahlen laut Bibel ein überirdisch helles Licht aus. Das Licht ist erstens eine Metapher der Nächstenliebe und zweitens der Vorsicht und Erwartung: Vor allem Kerzen symbolisieren die Nächstenliebe, weil sie Licht und Wärme spenden und sich selbst dabei für andere verbrauchen. Im Gleichnis von den Klugen Jungfrauen (Mt 25, 1 - 13) versinnbildlicht die brennende Laterne die ständige Bereitschaft, die permanente Erwartung des Herrn.

Noch einmal kommt an Lichtmess die weihnachtliche Lichtsymbolik zur Geltung: In der Kirche fand eine Lichterprozession statt und eine Kerzenweihe. Das Licht hatte in einer Zeit, als die Kerze der normale Lichtspender war, nicht nur die vordergründige Bedeutung von Helligkeit, sondern symbolisch auch von Reinheit. Nach jüdischer Tradition steht das Kerzenlicht für Körper und Seele. Die Flamme ist die Seele, weil sie immer nach oben strebt. Kerze und Flamme zusammen versinnbildlichen den Menschen. Die Begründung sehen Juden in Sprüche 20,27: Die Seele des Menschen (hebr. neschama, auch: Geist, Atem) sei als Licht des Herrn (hebr. ner, Lampe, Leuchte) zu verstehen. Von hier versteht sich auch das christliche Kerzenopfer, das Aufstellen einer Kerze zur Verehrung Gottes oder eines Heiligen: Die Kerze steht sinnbildlich für den Beter. Ihre Farbe kann auf den Spender oder auf den Zweck verweisen: Weiße Kerzen stehen für Männer, rote für Frauen, schwarze Kerzen waren geweihte Wetterkerzen, die bei Unwetter angezündet wurden. Andernorts wurden besonders lange Kerzenstöcke in die Kirche getragen und geweiht, die dann zu Hause zerschnitten und den einzelnen Hausgenossen zugewiesen wurden. Das Licht, eben Christus, holte man so ins Haus und hatte ihn beim gemeinsamen Gebet, bei dem die Kerzen brannten, unter sich. Das galt besonders für das häusliche Rosenkranzgebet, bei Unwettern, bei schwerer Krankheit, Sterben und Tod. An diesem Tag fanden früher auch Lichterumzüge der Kinder statt. Der Brauch, in einem Trauerhaus sieben Tage lang ein Licht brennen zu lassen, wird erstmals in der jüdischen Literatur des 13. Jahrhunderts erwähnt. Wieweit hier ein Zusammenhang mit dem ewigen Licht auf christlichen Gräbern besteht, ist nicht geklärt.

Seit der Liturgiereform wird Lichtmess wieder als Herrenfest gefeiert und führt den Namen „Darstellung des Herrn”. Bei der Berechnung des Tages nahm man im Mittelalter unterschiedliche Ausgangspunkte: Wo Weihnachten am 25. Dezember gefeiert wurde, ergaben die 40 Tage, nach denen Jesus im Tempel dargestellt worden sein soll, den 2. Februar; war aber der 6. Januar Ausgangspunkt, kam man auf den 14. Februar. Letzteres war in Gallien der Fall. Es wird vermutet, dass nach der Verlegung des Weihnachtsfestes auf den 25. Dezember und der Abwanderung von Lichtmess auf den 2. Februar, der alte Festtermin, der 14. Februar, neu gefüllt wurde und so der Vielliebchentag bzw. der heutige Valentinstag zustandekam.

Festgebäck waren die Crêpes, Pfannkuchen, die im Rheinland lautmalerisch an die französische Vokabel erinnern: Kreppchen hießen sie hier. Der Hausfrau, die beim Pfannkuchenbacken den ersten Pfannkuchen - natürlich ohne Zuhilfenahme anderer Mittel - so wendete, dass diese Lichtmesscrêpe wieder in der Pfannenmitte landete, ging das ganze Jahr über das Geld nicht aus. An diesem Tag wurden die Dienstleute entlohnt und hatten einige Tage arbeitsfrei, was man in Süddeutschland „Schlenkeltage” nannte. Die Knechte und Mägde besuchten ihre Angehörigen und feierten das Wiedersehen mit Umzügen und Festessen.

Für die Bauern begann nun die Feldarbeit, die Weihnachtszeit war offiziell zu Ende. Für die Handwerker hörte mit Lichtmess die Arbeit bei Kunstlicht auf, die Montag nach dem Gedenktag des Erzengels Michael (29. September) begonnen hatte. Den gleichen Endpunkt hatte die Spinnstubenzeit, die zu Martini begonnen hatte. Es hieß deshalb nicht nur: „Sankt Martin macht Feuer ins Kamin; dann, o Mädel, greif zum Rädl” und „Lichtmess, ‘s Spinne’ vergeß”. Deftig formulierte man am Niederrhein: „Um Martin schlachtet der Bauer sein Schwein, das muss bis zu Lichtmess gefressen sein.” Zur Feier des Tages gaben die Meister den Gesellen und Lehrlingen oft den Nachmittag frei, der so die Bezeichnung Lichtblaumontag erhielt und damit, wie einige Experten meinen, die sprachliche Vorlage für den berühmt-berüchtigten Blauen Montag geboten hat.


Heil und Heilung - Blasius als Vorbild und Fürbitter

„Bewahre uns vor Krankheit und Schaden in diesem zeitlichen Leben und hilf uns in aller Not, damit wir das ewige Heil erlangen” betet der Priester in der Messe am 3. Februar. Das Tagesgebet erklärt den Sinn des Tages deutlich und der Text lässt keine Missverständnisse aufkommen: Ein Heiliger ist kein Magier und als Lebensziel des Menschen ist das Heil wichtiger als die Heilung. Des heiligen Blasius wird an diesem Tag gedacht, ein Heiliger, der im Gedächtnis der Katholiken untrennbar mit dem „Halssegen” verbunden.

Blasius war Bischof in seiner Heimatstadt Sebaste in Armenien zur Zeit des Kaisers Licinius (308 - 324?). Bei einer Christenverfolgung soll er um 316 als Glaubensmärtyrer gestorben sein. Seine Leidensgeschichte ist uns in mehreren Versionen in stark legendarischer Form überliefert. Während der Verfolgung soll sich Blasius in einer Höhle versteckt haben. Hier ließen sich die Tiere des Waldes von ihm segnen und heilen. Als er von Jägern des Stadtpräfekten Agrikolaos entdeckt und ins Gefängnis gebracht wurde, bewahrte er im Gefängnis bzw. auf dem Weg dorthin einen Jungen vor dem Ersticken an einer Fischgräte. Mensch und Tier versprach er Rettung in der Not, wenn sein Name angerufen werde. Eine arme Frau, deren Schwein von einem Wolf geraubt worden war und der seinen Raub auf Befehl des Heiligen unversehrt zurückgab, brachte ihm Kopf und Füße des Schweins mit Früchten und einer Kerze in Gefängnis. Blasius segnete die Kerze und bestimmte sie zu seinem Symbol. Nach der Legende wurde er mit sieben Frauen und zwei Söhnen der Frauen ausgepeitscht, mit eisernen Kämmen gemartert, in einen Teich geworfen und schließlich enthauptet.

Heute wird das Gedächtnis des heiligen Blasius am 3. Februar gefeiert, bis in das 11. Jahrhundert jedoch am 15., im Osten am 11. Februar. Im 6. Jahrhundert lässt sich seine Anrufung als Patron des Viehs im Osten und im 9. Jahrhundert im Westen als Fürsprecher der Ärzte und Wollweber nachweisen. In Deutschland kam er auch zu Ehren bei den Windmüllern, Nachtwächtern und Blasmusikanten, denn volksetymologisch wurden Blasius mit dem „Blasen” des Windes in Verbindung gebracht. Ab dem 14. Jahrhundert rechnete man den Heiligen den vierzehn Nothelfern (Vierzehnheilige) zu und wandte sich an ihn bei Halsleiden und Gefahr durch wilde Tiere und Sturm. Im Osten wird er als greiser Bischof mit Spitzbart, gelocktem Haar und Buch dargestellt. In den kappadokischen Höhlenkirchen erscheint er unter den Kirchenvätern. Der Westen stellt ihn als westlichen Bischof dar, also mit Stab und Mitra, mit einer, zwei gekreuzten oder drei verflochtenen Kerzen. Ikonographische Beigaben sind Hechel, Schweinskopf, Knade oder Horn. In Deutschland ist der Heilige auch durch die vor 1000 gegründete ehemalige Benediktiner-Abtei St. Blasien bekannt, die aufgrund von Reliqien zu ichhrem Patrozinium gekommen ist und auch dem Ort den Namen gegeben hat. Bildliche Darstellungen des Heiligen finden sich in der Unterkirche von St. Clemente in Rom (um 1000) und im Braunschweiger Dom (13. Jh.).

In der Volksfrömmigkeit ist Blasius durch den Blasiussegen verankert, der an seinem Festtag im Gottesdienst bzw. nach den Messen am Fest Darstellung des Herrn (früher: Mariä Lichtmess) am 2. Februar erteilt wird. Mit zwei gesegneten und in Form des Andreaskeuzes gekreuzten Kerzen, die der Priester vor Gesicht und Hals der zu Segnenden hält, spricht er: „Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich derHerr vor Halskrankheit und allem Bösen. Es segne dich Gott, der Vater und dder Sohn und der Heilige Geist. Amen.” Die Benediktion gegen Halskrankheit und die Verwendung von Kerzen hat ihren Ursprung in den Legenden. Segnungen am Blasiustag (u.a. Wasser, Brot, Wein, Früchte) sind wie der heute noch übliche Blasiussegen im 16. Jahrhundert entstanden. Ein erstes Segensgebet ist für das 7. Jahrhundert überliefert. Das deutschsprachige Benediktionale von 1978 bindet den Blasiussegen in die Messe oder einen Wortgottesdienst ein, um ein magisches Missverständnis zu unterbinden. Der Empfänger soll sich in die Heilszusage Gottes und in seine Fürsorglichkeit eingebunden erfahren. Das frühere Brauchtum zum Tagesheiligen ist untergegangen und lokal nur noch vereinzelt vorhanden.

 

© Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln

 

einen Kommentar schreiben zu dieser News