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07.06.2006 14:32

"Was hat eigentlich die Fußball-WM mit der Kirche zu tun?"

Es gibt Berührungspunkte zwischen Kirche und Fußball-WM. Drei Aspekte machen dies deutlich.

Gastfreundschaft

Das ist zunächst das Motto dieser vier Wochen: Die Welt zu Gast bei Freunden. Dahinter steht der Anspruch, dass bei einem solchen Turnier zunächst einmal nicht Gegner aufeinander treffen, sondern verschiedene Gäste von Freunden empfangen werden. Die Heiligen Schriften der jüdischen-christlichen Bibel geben immer wieder vom hohen Gut der Gastfreundschaft und vom besonderen Schutz Zeugnis, den der Fremde genießt. Dem Gast gebührt in vielen Klöstern des Heiligen Benedikt der Platz an der Seite des Abtes.

Nicht zuletzt sind Christen aus den Heidenvölkern zum Glauben an Jesus Christus gekommen, nicht aus der Zugehörigkeit zu Gottes Volk Israel. Diese große Integrationsleistung aufzuzeigen, dass wir nicht mehr „Fremde ohne Bürgerrecht sind, sondern Hausgenossen Gottes“ verdanken wir dem Apostel Paulus, der die unüberwindlichen Gegensätze von Juden und Griechen in der Kirche Jesu Christi aufzulösen verstand durch den Hinweis auf die eine Taufe, die alle Verschiedenheit aufhebt. Von daher bleibt römisch-katholische Verweigerung der eucharistischen Gastfreundschaft für die getauften Glieder anderer christlichen Kirchen oder Gemeinschaften ein andauerndes Ärgernis.

Gewaltfreies Sprechen und Handeln

Gastfreundschaft verbietet es, über die Gäste abfällig oder abwertend zu sprechen. Dies geschieht im Umfeld von Fußballspielen häufig. Dazu braucht man aber nicht erst in Bundesliga-Stadien zu gehen. Auf Beleidigungen der Gegner, auf unterscheidende äußere Merkmale der Hautfarbe, der Sprache oder des Verhaltens nicht negativ urteilend zu reagieren, sondern zunächst ohne Vorurteil und Vorbehalt auf den Fremden, Neuen und Anderen zuzugehen, das ist die Haltung, die Jesus entspricht, der selber keine Berührungsängste zeigte, weder mit den Aussätzigen noch den Sündern, der vielmehr eine Affinität zu Fremden hatte. Von Jesus lernen heißt auch, sich darüber klar zu werden, dass gewalttätige Ausschreitungen ihren Ursprung im Denken der Menschen haben. Nicht selten entlädt sich eine anfangs „nur“ verbale Aggression in körperlicher Gewalt. Hooligans und Gewalttäter sollen mit den Möglichkeiten des modernen Rechtsstaates und seiner Sicherheitskräfte aus dem Verkehr gezogen werden. In den Wohnsiedlungen, auf den Bolzplätzen in der Nachbarschaft und vor dem eigenen Fernsehapparat haben verbale Ausfälle gegen die Spielgegner ebenfalls keinen Platz. Hier kommt Eltern und älteren Geschwistern, auch den Gruppenleitern in den Jugendverbänden oder Pfarreien eine Schlüsselrolle zu. Denn das, was die Kleinen bei den Großen sehen, ahmen sie nach - auch die Worte und Aggressionen werden spielend gelernt.

Die Verlierer

Besondere Aufmerksamkeit schenkt der Christ den Verlierern. Nicht zuletzt deshalb, weil der gekreuzigte Herr nach allen Maßstäben der Welt selber ein Gescheiterter und ein Verlierer ist. Sieg und Niederlage beim WM - Turnier sind weltliche Kategorien, die für Gott nicht gelten. Es gibt zudem genügend Geschichten, dass Fußballstars von heute schon übermorgen aus dem Licht in den Schatten treten: Die Sportinvalidität, das Zerbrechen der Familie, die Abhängigkeit von Rauschmitteln oder auch der soziale Abstieg. Davon erzählen die Legenden um die WM nichts.

Kommerzielle Großveranstaltungen wie die Fußball-WM sind auch immer mit negativen Begleiterscheinungen verbunden. Die katholische Kirche legt eine solche Wunde frei, wenn sie sich gegen die Zwangsprostitution von Frauen wendet, die im Umfeld der Spiele befürchtet wird. Zusammen mit Bündnispartnerinnen haben sich die katholischen Frauenverbände zu einer Aktion „Abpfiff – Schluss mit Zwangsprostitution “ zusammengeschlossen, um die Öffentlichkeit gegen diesen Missbrauch zu sensibilisieren und Frauen in Notlagen konkrete Hilfe zukommen zu lassen.

Fußball und Kirche sind zweierlei paar Stiefel

Es gibt trotz des WM-Hypes genügend Menschen, denen dieses Turnier und das „Drum herum“ nichts bedeuten. Aber kalt zu lassen braucht es uns deshalb nicht. Es gilt auch hier der Eröffnungssatz der Konstitution „Gaudium et Spes“ des Zweiten Vatikanums:

Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen dieser Zeit, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind Freude und Hoffnung, Trauer und Angst auch der Jünger Chrisiti, und es findet sich nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihrem Herzen widerhallte.

 


Von: Pfarrer Markus Bolowich, Pfarrei St. Martin/St. Josef in Bamberg

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