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04.07.2007 22:59

Hintergrund: Fusion von Pfarrgemeinden - Was bedeutet das konkret?

Ziel, Chancen und Herausforderungen der Neugründung einer gemeinsamen Pfarrei.

Ziel

Organisatorische und rechtliche Zusammenführung (= Fusion) der beiden Einzelpfarreien "Hl. Dreifaltigkeit" und St. Josef zu einer gemeinsamen Pfarrei "Hl. Dreifaligkeit"-St. Josef (= Neugründung).

Konsequenz

In der neu gegründeten Pfarrei gibt es nur einen Pfarrgemeinderat. Es sollen Mitglieder aus jedem der beiden aufgelösten Pfarreien (= Pfarrbezirke) in den Pfarrgemeinderat gewählt werden.

Im Vorfeld der ersten gemeinsamen Wahl legen die Vorstände der fusionierenden Pfarrgemeinderäte die Zusammensetzung der Delegationen aus den einzelnen Pfarrbezirken fest.

Der neue Pfarrgemeinderat wählt die Mitglieder des Verwaltungsrates der fusionierten Pfarrei.

Chancen

Mit allen betroffenen Pfarreien gibt es zeitgleich einen gemeinsamen Neuanfang. Es gibt eindeutige Rahmenbedingungen mit einem Pfarrgemeinderat und einem Verwaltungsrat.

Die Fusion ermöglicht die Bündelung von Kräften. Die ganze Pfarrei profitiert von den Stärken der einzelnen Pfarrbezirke. Die Schwächen der einzelnen Pfarrbezirke werden durch die Stärken der anderen Pfarrbezirke aufgehoben.

Statt getrennt zu Marschieren, entsteht eine neue Kraft, die von den Gemeindemitglieder deutlicher wahrgenommen wird und deren Angebote dadurch attraktiver werden. Die neue Pfarrei hat in Zivilgemeinde, Landkreis und Bistum ein stärkeres Gewicht, was bei der Durchsetzung von Interessen hilfreich ist. Es kann sich EINE gemeinsame Identität bilden, die sich in der neuen Pfarrei, ihrem Namen, ihren Leitungsstrukturen und ihren Gremien widerspiegelt.

Fusion bedeutet nicht, dass z.B. traditionelle Festveranstaltungen in den Pfarrbezirken abgeschafft werden, Geselligkeit oder Aktivitäten veröden oder in jedem Fall Immobilien aufgegeben werden. Im Gegenteil: Die Pfarrbezirke ergänzen sich in ihren Stärken! Das Gemeindeleben wird interessanter und reicher, desto mehr Menschen zur Pfarrei gehören und sich in ihr mit ihren Ideen und Talenten einbringen. Davon profitieren die Menschen in allen Pfarrbezirken.

Herausforderungen

Am Anfang steht eine intensive Phase des Abschieds von der bisherigen Selbständigkeit.

Viele Prozesse der Zusammenführung verlaufen konflikthaft und sind von Kämpfen begleitet. Jeder Pfarrbezirk bringt seine über viele Jahrzehnte gewachsene Kultur und Strukturen, die sich voneinander unterscheiden und zusammengeführt werden müssen.

Es besteht die Gefahr des Verlustes von Beziehungen zu Menschen und Ehrenamtlichen, die sich aus der neuen Pfarrei zurückziehen, da sie sich mit der neuen Struktur und Kultur nicht mehr identifizieren können (= Beschleunigung der Erosionsprozesse).

 

Positive Aspekte am Beispiel Saarbrücken-Malstatt

Gemeindeanalyse

Die Gemeindeanalyse hat gezeigt, dass die Pfarreien in ihren fünf Distrikten intern sehr unterschiedlich sind. Drei Distrikte zeichnen sich aus durch folgende Problemanzeigen: „Soziale Brennpunkte“ mit hoher Bevölkerungsdichte, hoher Ausländeranteil, hohe Zahl an Sozialhilfeempfängern, viele Arbeitslose, relativ junger Altersdurchschnitt. Die beiden anderen Distrikte: älterer Altersdurchschnitt, unterdurchschnittlicher Ausländeranteil, kaum Sozialhilfe-Empfänger, vorwiegend Eigenheimbesitz. . . Jugendliche verbringen ihre freie Zeit nicht mehr im Stadtrandbereich, sondern in der Innenstadt. Die Gemeinden haben durch die Gemeindeanalyse wichtige Informationen erhalten, die ihnen als Entscheidungshilfe dient, wo und wie sie sinnvollerweise künftig ihre pastoralen Schwerpunkte setzen. Nicht zuletzt haben ihnen die Erfassung der Immobiliensituation und der Blick auf das Gesamte wichtige Hinweise gegeben, was und wofür sie welche Immobilien benötigen, was unbedingt zu halten und was tragfähig und was überflüssig oder gar Ballast ist.

Konsequenzen

In Zukunft wird nicht mehr in jeder Gemeinde eine Gruppe von Katecheten bereitstellen, vielmehr gibt es eine gemeinsame Kommunion- und Firmvorbereitung.

In Zukunft wird nicht mehr krampfhaft versucht, an drei Orten Jugendarbeit aufzubauen. Neben der Messdienerarbeit, die unmittelbar an die drei Kirchen angebunden sein soll, wird es gemeinsame Angebote für Jugendliche geben, die in Kooperation mit der Jugendseelsorge in der Innenstadt geplant wird.

Mit diesen Entscheidungen werden Kräfte frei für die Familienpastoral, die jetzt schon in Kooperation mit der Gemeinwesenarbeit des Stadtviertels vereinbart ist. Es gibt nicht mehr drei Pfarrgemeinderäte und drei Verwaltungsräte, sondern eine schlanke, bewegliche und leicht verständliche Struktur mit jeweils nur einem Gremium, in dem die bisherigen Gemeinden angemessen vertreten sind.

Positive Aspekte der Neugründung

- Der Situation vor Ort angemessene Schwerpunktfindung

- Bündelung der begrenzten Kräfte

- Entlastung durch Kooperation

- Sinnvoller Einsatz von frei werdenden Ressourcen

 


Von: Pfarrer Rolf Dehm

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